Neuigkeiten

Der Mauersegler – Weltreisender mit Residenz in Afrika

Im Häusermeer braucht der Mauersegler die Hilfe des Menschen

Noch bevor es das Internet gab, surfte er schon durch die Welt. Besser gesagt, er segelte um die Welt: der Mauersegler. Er ist ein Weltreisender und Multitalent: Im Flug kann er fressen, schlafen, sich paaren und spielen. Pünktlich im Mai lässt er sich wieder in unseren Städten sehen. Er hat sich darauf eingestellt, anstatt wie ursprünglich in Felsen, seine Nistplätze heute an Gebäuden zu suchen. Wer den Vögeln helfen will, dem rät Rainer Stoll vom NABU Müllheim zu Nisthilfen am Haus. Diese sollten möglichst hoch, am besten direkt unter der Dachrinne, angebracht werden. Die Präzisionsflieger benötigen viel Raum unter dem Nest, da sie sich zum Starten metertief fallen lassen. Nur so erreichen sie die nötige Geschwindigkeit für ihren schrägen Aufwärtsflug. Auch die schlitzförmige Nistkastenöffnung sollte im Flug erreichbar sein, da die Mauersegler unmittelbar vor dem Schlitz landen und auch direkt von dort aus starten.

Unter Dachrinnen, in Mauerlöchern und undichten Jalousiekästen baut der Vogel seinen Nistplatz aus Halmen, Samen und Fasern. Die leichten Materialien werden mit klebrigem Speichel überzogen, der schnell hart wird. Die Mauersegler sind sehr gesellige Vögel, die ihre Nester dicht nebeneinander bauen und in Kolonien brüten. Das Weibchen und das Männchen beginnen mit dem Nestbau meistens am Tag der Paarung und beenden ihn, wenn die Jungen schlüpfen. Selbst das Baumaterial sammelt der Mauersegler im Flug. Er ist ein typischer Kulturfolger, immer in der Nähe menschlicher Siedlungen. Im August kehrt er uns wieder den Rücken und fliegt in wärmere Gefilde, wie zum Beispiel ins tropische Afrika. Ab dem zweiten Lebensjahr sind die Mauersegler geschlechtsreif. Sie legen meistens zwei bis drei Eier, die von Männchen und Weibchen ausgebrütet werden. Mitte Mai werden die ersten Eier gelegt, ab Anfang Juli schlüpfen die Jungvögel. Nach zehn bis zwölf Tagen können die Kleinen schon herum klettern. Nach durchschnittlich 40 Tagen fliegen sie aus und kehren nicht zum Nest zurück. “Es kann also sehr spannend sein, diesem gefiederten Kunstflieger samt Nachwuchs für einige Monate ein Zuhause zu bieten”, ist sich Stoll sicher.

Durch den Bau von immer mehr “glatten” Hausfassaden verliert der Mauersegler zunehmend seine Lebensräume. Der NABU bittet daher alle Stadtbewohner und Architekten, schon bei Neubau oder Renovierung an die “gefiederten Kunstflieger” zu denken und Mauersegler-Niststeine einzubauen. Spezielle Nisthilfen können auch nachträglich angebracht werden und sind im Fachhandel erhältlich.

Was Bauherren, Architekten und Handwerker bei Neubau, Umbau und Sanierung für die wendigen Segler tun können, erfahren Sie in der NABU-Broschüre “Nistquartiere an Gebäuden”, die gegen Einsendung von 4 Briefmarken zu je 55 Cent erhältlich ist beim Naturschutzbund NABU, Calenberger Str. 24, 30169 Hannover.

Für Rückfragen: Rainer Stoll, NABU Müllheim, 07634 505510